Retention Management: Mitarbeiter binden und stärken

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Retention Management bündelt unterschiedliche unternehmerische Maßnahmen und Anreize, um Mitarbeiter zu gewinnen, zu entwickeln und zu binden. Gerade bei kleineren und mittleren Betrieben, die sich verschärft mit dem Fachkräftemangel, fehlendem Nachwuchs und einer überalternden Belegschaft auseinandersetzen, kann ein nachhaltig aufgesetztes Retention Management im Wettbewerb um Arbeitskräfte Vorsprung sichern. Die mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur setzt dabei an vier Stellen an:

1. Talente entwickeln
Arbeitnehmer wissen zu schätzen, wenn ihr Unternehmen früh Bereitschaft zeigt, in ihre berufliche Zukunft zu investieren. Wer auch Werksstudenten und Trainees fortbildet, kann darauf bauen, dass diese nach Abschluss des Studiums in den Betrieb zurückkehren. Berufsbegleitende Qualifizierungen bringen Führungskräften und einzelnen Mitarbeitern direkte Lernerfolge für die Praxis, von denen auch das Kollegenteam profitieren kann.

2. Fürsorge und Empathie zeigen
Gesundheit und Wohlbefinden haben viele Facetten, entsprechend sind die Anreiz-Möglichkeiten hier vielseitig. Mit Maßnahmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement können beispielsweise Fehlzeiten durch Krankheit und Überlastung entgegengewirkt werden. Neben Fitness- und Wellness-Angeboten wie Rückenschule, Tai Chi, Qi Gong und Yoga können auch Trainings zur Stress-Prophylaxe oder zur Burnout-Prävention beitragen. Gelingt es Führungskräften zudem, Mitarbeitern vertrauens- und verständnisvoll zu begegnen und ihnen die Relevanz und Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit zu verdeutlichen, sind diese motivierter und ausgeglichener bei der Arbeit.

3. Balance halten und Ausgleich schaffen
Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist nicht nur Berufseinsteigern der Millennial-Generation und Eltern wichtiger als große Karriere- bzw. Gehaltssprüngen. Wer sich in einem Projekt jenseits regulärer Arbeitszeiten engagiert hat, freut sich daher, wenn er das investierte Plus an Zeit über flexible Arbeitszeitmodelle ausgleichen kann. Mitarbeiter-Zeitkonten eignen sich, um auch größere Guthaben zu sammeln, zum Beispiel für Sabbaticals, Freizeitprojekte, soziales Engagement oder für die persönliche Weiterbildung.

4. Anerkennung beweisen
Nichts ist so kostbar wie ein Lob zur rechten Zeit. Eine incentivierte Anerkennung von Leistung und Engagement in Form von Sachzuwendungen versprechen darüber hinaus auch Boni, Gutscheine, Kurzreisen, gemeinsame Events oder die Teilnahme an Seminaren und Workshops.

Was erfolgreiche Unternehmen tun
Was genau macht ein Unternehmen zur „Feel Good Company“? Alljährlich zeichnet das Forschungs- und Beratungsinstitut Great Place to Work Unternehmen aller Größen und Branchen weltweit aus, die sich für eine bessere Arbeitsplatz-, Vertrauens- und Unternehmenskultur einsetzen. Neben verbindlichen Wertegefügen und fairen Bedingungen für alle zeigen diese Unternehmen oft auch kreative Wege der Mitarbeiterintegration. Einige Beispiele:

  • Ein irisches Unternehmen bietet seinen Beschäftigten bei Bedarf diskrete individuelle Schuldnerberatung bei externen Finanzexperten als persönliche Hilfestellung an.
  • Ein norwegisches Unternehmen nutzt Besprechungen an der frischen Luft, um seine Mitarbeiter auf eigens angelegten „Meeting-Rundwegen“ in Bewegung zu bringen.
  • Andere ermöglichen ihren Mitarbeitern via Intranet „Couchsurfing“ bei internationalen Kollegen im Betriebsnetzwerk. Ähnliches gibt es auch als Austauschprogramm für Mitarbeiterkinder. Damit fördern sie den interkulturellen Austausch und ermöglichen günstige Auslandsaufenthalte mit „Familienanschluss“.
  • Ein Unternehmen in den Niederlanden lässt Mitarbeiter ihre Work-Life-Balance selbst einschätzen und bewerten. In maßgeschneiderten Workshops lernen sie dann beispielsweise den Umgang mit neuen Arbeitsabläufen oder erhalten Einzelcoachings.
  • Nach dem „Lunch & Learn“-Prinzip halten junge Berufsstarter bei einem Mittagessen Mini-Workshops, die offen sind für alle Kollegen. Die Vortragenden optimieren dabei ihre Präsentationstechnik, die Kollegen erhalten Einsicht in Themen und Projekte aus anderen Bereichen und können aktiv miteinander netzwerken.
  • Angestellte des Nürnberger Steuersoftware-Unternehmens DATEV können flexible Arbeits- und Pausenzeiten vereinbaren und auch die Elternzeit oder die Zeit als pflegende Angehörige mit Teilzeit-Optionen oder über „Remote Work“ gestalten. Ihr Vorteil: Sie bleiben so weiterhin in Unternehmensthemen und -abläufe integriert.
  • Der belgische Schuhverkäufer Torfs regte seine Mitarbeiter bei der jährlichen Betriebszusammenkunft an, in Gruppenarbeit Modelle für die erste eigene Turnschuh-Kollektion zu entwerfen. Die beiden besten Designs gingen schließlich in Serie und machten alle Beteiligten stolz auf ihr Ergebnis.

Die Vorteile: mehr Loyalität, weniger Kosten, gestärktes Image
Eine Unternehmenskultur, die auf Empathie und Wertschätzung basiert, sowie Leistungen, welche dies unterstreichen, stärken die positive Wahrnehmung am Bewerbermarkt sowie bei den eigenen Mitarbeitern. Wer sich wertgeschätzt und integriert fühlt, spiegelt das Arbeitgeber-Engagement im eigenen Engagement und im Stolz auf seinen Arbeitsplatz – und bleibt!

Eine inspirierende und gesunde Arbeitsatmosphäre kann also nicht nur den Krankenstand senken, sondern auch Fluktuation abwenden. Dies verspricht in der Folge weniger Aufwand und Kosten im Personalbereich, wenn die Arbeitskraft von Beschäftigten langfristig erhalten bleibt und vakante Stellen nicht ständig neu besetzt werden müssen.

Kompetente und belastbare Mitarbeiter gewährleisten zudem mehr Wirtschaftlichkeit und Produktivität. Davon profitieren letztlich auch die Kunden und Geschäftspartner, die wiederum als Multiplikatoren ihre Wahrnehmungen öffentlich teilen und ebenfalls zum Imagegewinn beitragen.

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