Die HR-Trends für 2020

Neues Jahr, neue Trends: Der sich ständig verändernde Arbeitsmarkt bringt auch 2020 wieder einige Neuerungen in die Personalwelt. Themen wie der demografische Wandel, die schnell voranschreitende Digitalisierung oder der Fachkräftemangel stellen weiterhin erhebliche Herausforderungen für das Personalmanagement dar. Um die bestmöglichen Kandidaten zu rekrutieren und die Loyalität der Mitarbeiter zu steigern, ist es für Unternehmen essenziell mit diesen Herausforderungen umzugehen bzw. sich an diese anzupassen. Einige der unten aufgelisteten Trends werden den meisten Personalern aus den letzten Jahren bereits bekannt vorkommen. Doch was bisher noch als „Nice-to-have“ galt, steht bei Personalverantwortlichen jetzt ganz oben auf der Agenda.
Eine „Revolution“ in Sachen Recruiting, Mitarbeiterbindung und Mitarbeiterförderung, dürfte dieses Jahr durch die Entwicklungen im Bereich People Analytics anstehen. Des Weiteren wird es für Unternehmen aufgrund anderer Bedürfnisse und Erwartungen von „Millenials“ und „GenZ“ auch zunehmend wichtiger, Feingefühl und Anpassungsvermögen im HR Management zu entwickeln und zu leben.

Wir stellen 6 beachtenswerte HR-Trends für das Jahr 2020 vor:

1. People Analytics

People Analytics bezeichnet die Analyse von Daten aus dem Personalwesen in Verbindung mit anderen Unternehmensdaten. Im Normalfall treffen Personaler Ihre Entscheidungen basierend auf Ihrer Erfahrung und Ihrem Bauchgefühl. People Analytics soll ergänzend dazu und mit Hilfe handfester Daten unterstützen, Entscheidungen bspw. zur Zusammenarbeit und Kommunikation innerhalb des Unternehmens zu treffen – und zwar datengestützt.
Durch die hypothesengetriebene Auswertung firmeninterner Daten wird es z.B. möglich, Recruiting-Prozesse effizienter zu gestalten – jedoch soll auch die Vorhersage von Kündigungen möglich sein, so dass diese ggf. noch vermieden werden können.
Der detaillierte analytische Blick auf scheinbar Bekanntes hilft Zusammenhänge sichtbar zu machen und besser zu verstehen. Dennoch deckt People Analytics diese Sachverhalte und Informationen nur auf. Ob und wie die Erkenntnisse verwendet werden, um letztendlich Verbesserungen im Unternehmen zu realisieren, liegt weiterhin in der Hand der Personal- und Unternehmensverantwortlichen.

2. Künstliche Intelligenz 

Die Digitalisierung birgt großes Potenzial für Unternehmen, da Prozesse vereinfacht und effizienter gestaltet werden können. Daher wird das Thema Künstliche Intelligenz, wie auch in den vergangenen Jahren, zu den Top-Trends 2020 zählen. Das Potenzial der KI im Personalbereich ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Der Grund hierfür ist nicht etwa in der fehlenden Technologie zu suchen, sondern teilweise in mangelnden Kompetenzen und einem geringen digitalen Verständnis von Personalverantwortlichen. Eine stärkere Einbindung von HR in die Digitalisierungsstrategie des Unternehmens sowie gezielte Coachings können hier bereits einen großen Schritt in die Digitale Unternehmenszukunft bedeuten.

Im Recruiting wird der Einsatz von Chatbots und die Nutzung von Social-Media-Kanälen 2020 weiter zunehmen. Auch die Verwendung eines Chatbots, um Bewerbungsgespräche zu führen, scheint nicht (mehr) abwegig. Ein kalifornisches Startup testet bereits die Beta-Version eines Recruiting-Chatbots, der Jobsuchende interviewt und eine Vorauswahl trifft, bevor ein „echter“ Recruiter übernimmt. Doch egal wie fortschrittlich sich die KI-Technologien in den vergangenen Jahren bereits entwickelt haben – maßgeblich bleibt die Entscheidung des (menschlichen) Personalers.

3. Digitales Coaching 

Coaching ist wichtig und hilfreich! Egal in welcher Position und Funktion man in einem Unternehmen tätig ist: hinzulernen lässt sich immer etwas. Häufig entfalten jedoch klassische Weiterbildungsmaßnahmen und Classroom-Trainings nicht die  gewünschte Wirkung. Der Lerntransfer entsprechender Formate liegt oftmals bei unter fünf Prozent, sodass der eigentliche Mehrwert hier eher im Networking innerhalb der Organisation zu suchen ist. Wirklich zielführend erscheint vor diesem Hintergrund das persönliche Business-Coaching, das i.d.R. jedoch zu kostenintensiv und aufwendig war, um allen Mitarbeitern zugutekommen zu können. Immer mehr Tools bieten heute jedoch die Möglichkeit eines digitalen Coachings. Der Zugang zu maßgeschneiderten Lösungen via PC oder Smartphone ermöglicht die Erschließung neuer fachlicher Inhalte ebenso wie die Persönlichkeitsentwicklung und das effiziente Training von Softskills. Der Einsatz klassischer Trainings könnte durch diese Entwicklungen in den kommenden Jahren überdacht und verstärkt dem zeitgemäßen Konzept des Digitalen Coachings weichen. Ob es sich hierbei jedoch um eine disruptive Innovation handelt, wird die Zeit zeigen.

4. Mitarbeiter-Engagement 

Engagierte Mitarbeiter sind für ein Unternehmen essenziell. Sie haben Spaß an der Arbeit, bringen neue Ideen ein und erfüllen ihre Aufgaben zuverlässig und gewinnbringend. Der Erfolg einer motivierten Belegschaft spiegelt sich auch im Unternehmensergebnis wider. So zeigen Studien seit Jahren, dass motivierte und engagierte Mitarbeiter u.a. auch zu einem höheren Gewinn beitragen.
Folglich gewinnt das Thema für Unternehmen immer stärker an Bedeutung und es wird versucht mit verschiedenen Maßnahmen auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen und ein angenehmens Arbeitsumfeld zu schaffen. Zur Identifikation der einzelnen Motivationsfaktoren greifen Unternehmen hierbei häufig auf Mitarbeiterbefragungen zurück. Diese sollten jedoch nicht mehr „klassisch“ jährlich erfolgen, sondern besser anonymisiert und regelmäßig. Den Angestellten wird so die Möglichkeit gegeben, die Gedanken unkompliziert und authentisch mitzuteilen.

Ein häufig unterschätzter Faktor für die Motivation der Mitarbeiter besteht in der Anerkennung und Wertschätzung ihrer Leistungen. Im digitalen Zeitalter muss dies auch nicht mehr nur im direkten Gespräch erfolgen, sondern lässt sich z.B. durch entsprechende Social-Recognition Tools auch sichtbar für Kollegen und das Unternehmen allgemein zum Ausdruck bringen.

Männer schütteln Hände

5. New Work / New Leadership 

Im New-Work-Zeitalter ist auch eine neue Art von Mitarbeiterführung gefragt. Besonders wenn Millenials und die GenZ für das eigene Unternehmen gewonnen werden sollen, sind Arbeitsmodelle, Kommunikationsstrukturen und die Machtverteilung im Unternehmen zu überdenken. Flexibilität im Job, transparente Kommunikation, sowie stärker ausgeprägte gesellschaftliche Werte sind heute so wichtig wie nie. Führungskräfte sollten ihren Mitarbeitern Freiräume geben. Wird es ihnen ermöglicht eigenverantwortlich zu arbeiten und Entscheidungen zu treffen, steigert dies zugleich die Agilität im Unternehmen – ein Schlüsselfaktor, um im globalen Markt zukunftsfähig zu bleiben.
Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Die klassische 40 Stunden Woche wird hierbei von vielen bereits als anachronistisch empfunden. Durchschnittlich wollen befragte Arbeitnehmer nur 34,8 Stunden pro Woche arbeiten – häufig auch flexibel und bei Bedarf auch von zu Hause aus. Werden flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten gewährt, gibt man den Mitarbeitern das Gefühl von Verantwortung und Wertschätzung. Beide Faktoren führen fast unvermeidbar zu mehr Engagement und einer geringeren Kündigungsrate. Nicht nur der Kunde ist heute König, sondern auch der Mitarbeiter!

6. Employer Branding 

Rissen sich vor ein paar Jahren noch viele Bewerber um eine Stelle, hat sich das Verhältnis durch den demografischen Wandel und den daraus resultierenden Fachkräftemangel stark umgekehrt. Für Unternehmen wird es daher (seit Jahren) umso wichtiger, eine attraktive Arbeitgebermarke aufzubauen und nach außen zu kommunizieren. Im Fokus des Employer Branding steht hierbei auch immer stärker die Ausgestaltung der Candidate Experience. Sie wird quasi als Baseline der Mitarbeitergewinnung angesehen und beschreibt, wie sich ein Bewerber in den einzelnen Phasen vom Erstkontakt mit der Stellenausschreibung bis hin zu einem möglichen Onboarding fühlt. Das Ziel besteht darin, die Candidate Experience so positiv wie möglich ausfallen zu lassen, da sie auch als Multiplikator für künftige Bewerber wirken kann. Es gibt schließlich keine glaubwürdigeren Unternehmensbotschafter als die eigenen Mitarbeiter.

Im Kontext des Employer Branding werden 2020 auch Social und Mobile Recruiting weiter an Bedeutung gewinnen. Sie helfen nicht nur dabei über zielgruppengerechte Ads die Millenials und GenZ zu erreichen, sondern unterstützen gleichzeitig bei der Positionierung als attraktiver Arbeitgeber. Voraussetzung für den Begeisterungsfaktor ist ein professionelles und umfassendes Employer Branding Konzept, das auch für die langfristige Mitarbeiterbindung einen essenziellen Beitrag leistet.

Menschen stehen im Kreis
Folgende Artikel könnten Sie auch interessieren:

Studienergebnisse: Belohnungsstudie 19

Bereits zum fünften Mal wurde die Belohnungsstudie mit dem Ziel durchgeführt, mehr Transparenz in die HR-Praxis zu bringen und ein umfassendes Bild zu Employer Branding-, Motivations- und Bindungsmaßnahmen deutscher Unternehmen zu zeichnen. Entsprechende Aktivitäten und Maßnahmen erscheinen im Hinblick auf Schlagworte wie demografischer Wandel, Fachkräftemangel und HR Benefits heute unerlässlich.